Outsourcing

First Level Support auslagern: Strategien, Anbieterwahl und Praxiserfahrungen

Unternehmen stehen heute unter dem Druck, ihren First Level Support gleichzeitig schnell, effizient und kundenorientiert zu organisieren. Die steigenden Anforderungen an Erreichbarkeit, IT-Kompetenz und Servicequalität führen dazu, dass immer mehr Entscheider prüfen, ob sie den First Level Support auslagern sollten – vollständig oder in hybriden Modellen.

Dieser Fachartikel zeigt, welche Chancen und Risiken bestehen, welche Modelle es gibt und wie Unternehmen den passenden Dienstleister auswählen. Der Beitrag richtet sich an Entscheider aus IT, Kundenservice, Operations und Einkauf, die eine fundierte Grundlage für ihre Outsourcing-Strategie suchen.

Inhalt

Was bedeutet „First Level Support auslagern“ konkret?

Der First Level Support (1st Level) ist die erste Anlaufstelle für Anwender und Kunden, wenn technische Probleme oder Serviceanfragen auftreten.

Er übernimmt die Annahme, Dokumentation und erste Bearbeitung von Supporttickets oder Anrufen – mit dem Ziel, möglichst viele Anfragen direkt zu lösen, bevor sie an den Second- oder Third-Level-Support weitergeleitet werden.

Beim Auslagern des First Level Supports überträgt ein Unternehmen diese Aufgaben ganz oder teilweise an einen externen Support-Dienstleister. Dieser kann:

  • telefonischen, schriftlichen oder Chat-basierten Support übernehmen,
  • IT-Systeme überwachen und Störungen erfassen,
  • Anfragen nach definierten Service-Level-Agreements (SLAs) bearbeiten,
  • und Supportdaten im Ticketsystem des Auftraggebers dokumentieren.
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Good to know

Gerade im IT- und Kundenservice-Umfeld ist der First Level Support der „Single Point of Contact“. Wie dieser organisiert ist – intern oder extern – prägt das gesamte Serviceerlebnis.

Warum Unternehmen ihren First Level Support auslagern

1. Kostenoptimierung

  • Ein zentraler Treiber ist die Kostentransparenz und Planbarkeit.
  • Externe Anbieter arbeiten häufig mit skalierbaren Preismodellen (z. B. pro Ticket oder pro Stunde). Das reduziert Fixkosten und macht Budgets besser kalkulierbar.
  • Zusätzlich entfallen Aufwendungen für Rekrutierung, Schulung und Infrastruktur.

2. 24/7-Erreichbarkeit

  • Viele Support-Anbieter stellen Rund-um-die-Uhr-Service bereit – ein entscheidender Faktor für international agierende Unternehmen oder E-Commerce-Anbieter.
  • Ein interner 24/7-Betrieb ist personell und wirtschaftlich oft nur schwer abbildbar.

3. Zugang zu Expertenwissen

  • Externe Dienstleister verfügen über geschulte Support-Mitarbeiter, die in unterschiedlichen Branchen und Tools erfahren sind.
  • Das erhöht die Lösungsquote im Erstkontakt („First Call Resolution“) und entlastet interne IT- oder Serviceteams.

4. Fokus auf Kernkompetenzen

  • Wenn der First Level Support ausgelagert wird, kann sich die interne Organisation stärker auf strategische IT-Projekte, Prozessoptimierung oder die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts konzentrieren.

Herausforderungen und Risiken beim Outsourcing

Trotz klarer Vorteile sollte die Entscheidung zum Outsourcing sorgfältig vorbereitet werden.

Risiko / HerausforderungBeschreibungEmpfohlene Gegenmaßnahme
KommunikationsproblemeUnterschiede in Sprache, Kultur oder ProzessenGemeinsame Schulungen, klar definierte SLAs, regelmäßige Abstimmungen
QualitätskontrolleExterne Teams kennen nicht alle internen AbläufeKnowledge-Base, Zugriff auf interne Tools, definierte Eskalationspfade
Datenschutz & IT-SicherheitZugriff auf sensible KundendatenDSGVO-konforme Verträge, ISO-Zertifizierungen, klares Rechtemanagement
MitarbeiterakzeptanzInterne Teams befürchten Kontroll- oder JobverlustFrühzeitige Kommunikation, Integration des Dienstleisters als Partner
Abhängigkeit vom AnbieterAnbieterwechsel kann komplex seinVertragslaufzeiten prüfen, Exit-Strategie und Rückübernahmeprozesse definieren
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Good to know

Viele Probleme entstehen weniger „beim Dienstleister“, sondern durch unklare Rollen und fehlende Governance-Strukturen auf Auftraggeberseite.

Outsourcing-Modelle für den First Level Support

Je nach Unternehmensgröße, Branche und Serviceanforderung stehen unterschiedliche Modelle zur Verfügung:

1. Vollständiges Outsourcing

  • Der gesamte First Level Support wird an einen externen Dienstleister übertragen.
  • Typisches Einsatzszenario:
    • Unternehmen mit hohem Ticketvolumen oder 24/7-Anforderungen, z. B. Telekommunikation, Onlinehandel, globale IT-Services.

2. Teil-Outsourcing (Hybridmodell)

  • Nur bestimmte Zeiten, Kanäle oder Themen werden ausgelagert – etwa Nacht- und Wochenend-Support oder einzelne Sprachen/Kundengruppen.
  • Typisches Einsatzszenario:
    • Mittelständische Industrieunternehmen oder IT-Dienstleister, die interne Ressourcen gezielt ergänzen möchten.

3. Nearshore- oder Offshore-Support

  • Supportzentren im Ausland übernehmen den 1st-Level-Service.
  • Typisches Einsatzszenario:
    • Preis- oder Sprachvorteile, z. B. bei globalen Helpdesks im Software- oder Maschinenbau-Umfeld.

Wichtige Auswahlkriterien für den richtigen Dienstleister

Die Partnerwahl entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg des Outsourcings. In Ausschreibungen sollten mindestens folgende Kriterien berücksichtigt werden:

  • Branchen- und Prozesskenntnis

Erfahrung im jeweiligen Umfeld (z. B. IT, Handel, Energie, Gesundheitswesen) ist ein klarer Vorteil.

  • Service-Level-Agreements (SLAs)

Präzise Definition von Reaktions- und Lösungszeiten, Erreichbarkeit, Prioritäten und Eskalationsstufen.

  • Technische Integration

Kompatibilität mit eigenen Tools (z. B. Jira, ServiceNow, Zendesk, OTRS).

Moderne Anbieter ermöglichen Schnittstellen- und Ticket-Synchronisation in Echtzeit.

  • Datenschutz & Compliance

DSGVO-konforme Datenverarbeitung, Audit-Fähigkeit und sichere Datenübertragung sollten vertraglich fixiert sein.

  • Sprach- und Kommunikationskompetenz

Muttersprachliche Agents für deutsche Kunden oder mehrsprachige Teams bei internationalem Support.

  • Transparente Reporting-Strukturen

Regelmäßige Berichte zu Ticketvolumen, Lösungsraten, Kundenzufriedenheit (CSAT) und SLA-Erfüllung.

  • Skalierbarkeit & Flexibilität

Möglichkeit, das Supportvolumen kurzfristig an saisonale Schwankungen oder Produktlaunches anzupassen.

Praxis-Tipp:

Ein strukturiert aufgesetztes Pilotprojekt (3–6 Monate) ist ideal, um Prozesse und Zusammenarbeit zu testen, bevor langfristige Verträge geschlossen werden.

Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen

1. IT-Dienstleister: Effizienzsteigerung durch Entlastung der IT-Fachkräfte

Ein mittelständischer IT-Service-Provider mit 300 Mitarbeitenden lagert seinen First Level Support an einen spezialisierten Partner aus.

Ergebnis:

  • interne IT kann sich auf Projektarbeit und 2nd-Level-Themen fokussieren,
  • durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Ticket sinkt um 25 %,
  • Kundenzufriedenheit steigt messbar.

2. E-Commerce-Unternehmen: 24/7-Kundenservice für internationale Märkte

Ein Onlinehändler mit europaweiten Kunden benötigt eine durchgängige Erreichbarkeit.

Lösung:

  • ein externer Support-Dienstleister mit multilingualem Team übernimmt Kundenanfragen in fünf Sprachen,
  • Bestellungen, Reklamationen und technische Fragen werden rund um die Uhr verarbeitet – ohne interne Nachtschichten.

3. Industrieunternehmen: Hybridmodell zur Produktionsunterstützung

Ein Hersteller von Automatisierungstechnik lagert den First Level IT-Support außerhalb der Bürozeiten aus.

Das externe Team:

  • nimmt Anrufe aus den Produktionsbereichen entgegen,
  • dokumentiert Störungen im Ticketsystem,
  • leitet komplexe Fälle an den 2nd-Level weiter.

So bleibt die Betriebsfähigkeit auch nachts und am Wochenende gesichert.

Prozesse und Übergabe: Wie gelingt der Start reibungslos?

Der Erfolg eines Outsourcing-Projekts entscheidet sich in der Vorbereitung. Bewährt haben sich folgende Schritte:
  1. Analysephase
    • Ist-Analyse des bestehenden Supports (Ticketvolumen, Themen, Erreichbarkeit)
    • Definition der Ziele: Kosten, Qualität, Verfügbarkeit, Kundenzufriedenheit
  2. Anbieterauswahl & Vertragsgestaltung
    • Vergleich mehrerer Anbieter auf Basis eines klaren Kriterienkatalogs
    • Festlegung von SLAs, Reporting-Pflichten und Datenschutzanforderungen
  3. Knowledge-Transfer & Schulung
    • Gemeinsame Einarbeitung des externen Teams in Produkte, Prozesse und Kommunikationsleitlinien
    • Aufbau einer zentralen Wissensdatenbank (Knowledge Base)
  4. Pilotphase
    • Testlauf mit begrenztem Umfang (z. B. 1 Monat, definierte Kundengruppen oder Kanäle)
    • Evaluation der Ergebnisse und Anpassung von Prozessen, Eskalationswegen und SLAs
  5. Go-Live & Controlling
    • Übergang in den Regelbetrieb
    • Regelmäßige Qualitäts- und Performance-Audits (z. B. monatliche Reviews, Quartals-Workshops)

Erfolgsfaktoren beim Auslagern des First Level Supports

  • Klare Rollenverteilung:

Zuständigkeiten zwischen internem Team und Dienstleister eindeutig festlegen.

  • Vertrauensvolle Zusammenarbeit:

Regelmäßige Kommunikation, transparente Ziele und gemeinsame Verbesserungsprojekte statt reiner Vertragsbeziehung.

  • Transparente KPIs:

Monitoring über Dashboards oder Reports; Fokus auf wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen.

  • Kundenorientierung im Fokus:

Der externe Support ist die Stimme des Unternehmens – die Service-Experience muss zur Marke passen.

  • Lernschleifen:

Kontinuierliche Optimierung durch Feedback, Datenanalyse und Lessons Learned nach definierten Intervallen.

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Good to know

Die besten Ergebnisse entstehen, wenn der Dienstleister wie ein erweitertes internes Team geführt wird – inklusive Zugang zu Produktnews, Roadmaps und Schulungsangeboten.

Kostenfaktoren und Preismodelle im Überblick

KostenmodellBeschreibungTypisches Einsatzgebiet
TicketbasiertAbrechnung pro bearbeitetem TicketUnregelmäßiges oder stark schwankendes Volumen
FTE-ModellFeste monatliche Kosten pro Support-Mitarbeiter (Full-Time-Equivalent)Konstante Supportnachfrage
HybridmodellKombination aus Grundgebühr und variabler TicketpauschaleMittelgroße Unternehmen mit Basisauslastung
Pay-per-UseAbrechnung nach tatsächlicher NutzungStart-ups oder flexible Projekte

Wichtig: Neben dem Preis sollten immer auch Qualität, Stabilität und Serviceleistung bewertet werden – reine Kosteneinsparungen führen selten automatisch zu besserem Kundenservice.

Fazit: Wann es sich lohnt, den First Level Support auszulagern

Das Auslagern des First Level Supports ist für viele Unternehmen ein sinnvoller Schritt, um Kosten zu reduzieren, Servicezeiten zu erweitern und interne Teams zu entlasten.

Entscheidend ist jedoch, dass das Outsourcing strategisch vorbereitet, sauber vertraglich geregelt und partnerschaftlich umgesetzt wird.

Unternehmen profitieren besonders dann, wenn:

  • sie hohen Supportbedarf haben (z. B. IT- oder Kundenservice-Hotlines),
  • sie internationale Märkte bedienen,
  • oder sie ihre internen Fachkräfte gezielt für höherwertige Aufgaben freispielen möchten.

Wer den First Level Support auslagern will, sollte auf klare SLAs, transparente Kommunikation, durchdachte Prozesse und eine sorgfältige Anbieterwahl achten.

Dann wird aus dem Outsourcing-Projekt ein echter Qualitäts- und Effizienzgewinn – sowohl für die Organisation als auch für den Kundenservice.

FAQ: Häufige Fragen zum Auslagern des First Level Supports

1. Was kostet es, den First Level Support auszulagern?

Die Kosten hängen vom Modell und vom Leistungsumfang ab.

Typisch sind:

  • ca. 3 € bis 10 € pro Ticket oder
  • ca. 3.000 € bis 5.000 € pro Monat pro Agent (FTE-Modell).

Ausschlaggebend sind der vereinbarte Service-Level, die benötigten Sprachen und die Komplexität der Anfragen.

Ja – sofern der Dienstleister:

  • eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV) unterzeichnet,
  • technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs) nachweist,
  • und idealerweise Zertifizierungen wie ISO 27001 mitbringt.

Datenschutz sollte fester Bestandteil von Vertrags- und Toolauswahl sein.

Meist verbleiben im Unternehmen:

  • strategische IT-Themen,
  • Second-Level-Support und Spezialfälle,
  • interne Projekte,
  • sowie die Gesamtverantwortung für Prozesse, Qualität und Kundenerlebnis.

Der externe Anbieter übernimmt primär den operativen Erstkontakt.

Über klar definierte KPIs, zum Beispiel:

  • First Contact Resolution Rate,
  • Average Handling Time,
  • Kundenzufriedenheit (CSAT),
  • SLA-Einhaltung.

Regelmäßige Reportings, Qualitäts-Audits und gemeinsame Review-Meetings sind entscheidend, um langfristig eine hohe Servicequalität sicherzustellen.

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